Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Der Shorty 2 oder ein Countdown in Shorties – zu Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" (2. Teil)

Auf zum Bergfest

von Anne Peter

(...)

20:30 Uhr


Daniel Lommatzsch und Sebastian Rudolph schrammen mit einem sperrigen Flip-Chart zwischen Rückenlehnen und Zuschauerknien durch. Die Reihen lichten sich. Um 20:35 Uhr schaut Stemann (ungeduldig?) auf die Uhr, noch 62 Seiten liegen vor uns. Das ergibt bislang eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 0,39 Seiten pro Minute. Oder auch: 2,5 Minuten pro Seite.

Das Flip-Chart kommt doch noch zum Einsatz und wird in einem chaotisch farbspritzenden Action-Painting als Übersicht schaffende Erklärungshilfe ad absurdum geführt.

20:45 Uhr


Wieder kommt der spontan gebildete Publikumschor zum Einsatz. Sein Text diesmal: "Wir sind alle individuell", Rhythmus: schneller. Maria Schrader schüttelt ihre Locken im Konfettiregen. Hinten wackelt ein Kind im Superman-Trikot mit dem Obama-Masken-Kopf.

Als Bauschkleid-Fee mit Zauberstab behauptet Therese Dürrenberger, der freie Markt sei immer noch "der bessere Weg, um Wohlstand und Prosperität zu erzeugen". Alles regelt sich auf wundersame Weise durch die unsichtbare Hand des Marktes ganz zauberhaft von selbst. Dürrenberger wird von den Kollegen eine Halskrause aus lauter Riesen-Papp-Münzen übergestülpt. Ohne Hilfe schafft sie es nicht mehr, ihr Glas Wein zum Mund zu führen. Tja, Geld kann man nicht trinken.

21:00 Uhr


Patricia Ziolkowska bekommt die notorische Jelinek-Perücke aufgesetzt und verfällt in österreichischen Akzent. Ein Wolf knabbert ihr am Nacken, Blut läuft ihr übers Gesicht. Und ein Herr fragt seine Begleiterin, "welcher kranke Kopf sich so was ausgedacht hat". Die beiden bleiben trotzdem bis zum Schluss. Sehr tapfer.

21:07 Uhr –
noch 52 Seiten

Maria Schrader in seidenfließendem Aprikot-Abendkleid. Sie will mit Engelszungen ins Mikro sprechen – doch immer erschallt jene elektro-vertiefte Gruselstimme. Sie ist umzingelt von Wolfsmasken. Da hilft kein Kreidefressen mehr.

21:15 Uhr –
noch 50 Seiten

Text-Bergfest, die Hälfte ist geschafft. Hinten führen zwei Wölfe mit blutigen Äxten die Wolfsnatur des Menschen vor.

21:21 Uhr –
noch 48 Seiten

Der Jelinek-Text schallt zeitweise nur mehr aus einem sich verselbständigenden Megaphon. Das wird auch noch zum Schweigen gebracht und mit der Schallseite nach unten auf den Boden gestellt.

21:29 Uhr


"Mülheim rockt", meint Sebastian Rudolph. Trotzdem dauert es bis...

21:34 Uhr


und erfordert eine Tanzeinlage des hinreißenden Ralf Harsters ("Mülheim braucht noch ein bisschen Unterhaltung") bis eine Frau aus der ersten Reihe bereit ist, einen 20 Euro-Schein heraus zu rücken. Auf zur Zaubernummer. Lommatzsch fackelt nicht lange und verbrennt das Geld. Der angeblich erzauberte Fuffziger soll in einem Portemonnaie des mittleren Parketts gelandet sein, eine Dame will den Raum verlassen. Rudolph schickt sich an, die Saaltüren zu versperren. Verspekuliert.

Die Stimmen zum Lehman-Brothers-Sketch von Hartmann und Ziolkowska liefern Rudolph und Lommatzsch, während Schrader glockenhell den "Stücke"-Programmhefttext zu den "Kontrakten des Kaufmanns" verliest.

21:49 Uhr


Stemann macht in dunkelrotem Samtkleid auf große Medley-Show. Falko-mäßiger Gänsehaut-Start mit "Jeanny" bzw. "LEHMAN, quit livin' on dreams". Dann geht es über BAPs "Verdammt lang her" und Grönemeyers "Bochum" aka "Tief im Westen" ("ist es ostiger als man glaubt") bis zur "Reeperbahn, nachts um halb eins". Finale mit "Heal the world".

21:56 Uhr


Wunderkerzen werden gezündet. Ein "Zugabe"-Rufer provoziert eine zehnsekündige Stemann'sche Schrammelversion des Vorhergehenden.

"Was soll ihr Geld bei ihnen zu Hause machen – fernsehen?" Einen derartigen Ausbruch spätrömischer Dekadenz unter Kleinverdienern weiß die Meute aus Pappmasken-Westerwelles mit einer furiosen Aktentaschen-Percussion zu verhindern.

Kollege Rakow holt das zweite Bier.

(...)

Gedürstet es auch nach mehr? Hier geht es zum Finale.

 

(Teil 1Teil 3)

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy