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Der Shorty 1 – zu Roland Schimmelpfennigs "Der goldene Drache"

Mit Schmunzelfaktor

von Christian Rakow

15. Mai 2010. Ein alter Mann, wie sieht der aus? Gebückt, Po raus, auf einen Krückstoß gestützt, mit Tatterich. Oder eine junge asiatische Prostituierte? Dünnes Unterkleid, leicht x-beinig, scheues Augenklimpern. Und Zahnschmerzen, wie hören die sich an? Lautes Wehklagen und Wimmern "Oh Gott. Der Zahn, oh Gott". Fehlt nicht viel, dass auch noch ein gequengeltes "Maaaammmmi!" hinterher rutscht.

 

Es ist eine Ansammlung von Polaroids aus einer mittleren Sketchparade, die Regisseur Schimmelpfennig mit seinem fraglos bestechend leichthändigen Ensemble (aber bitte, es ist auch das Wiener Burgtheater und nicht irgendeine Kirmestruppe) auf die weiße Bühne pinnt. Männer spielen Frauen, Alte Junge. Und umgekehrt. Nicht Wunder nimmt es da, dass das Publikum noch über die krudesten Fantasien hinweglacht. Wir hören Märchenhaftes: Ein paar Ameisen (lies: zentraleuropäische Prolls) machen sich über eine Grille (Sinnbild einer asiatischen Migrantin) her: "Für die Ameisen ist die Grille eine geile Schlampe." – Gekicher im Auditorium. "Sie ficken sie durch, oft eine nach der anderen." – Haha. Das ist eine Gruppenvergewaltigung mit Schmunzelfaktor.

Es braucht schon eine gehörige Portion Drastik vom Autor Schimmelpfennig, damit bei diesem interesse- und weltlosen Blick ins Milieu illegaler Einwanderer das Sujet nicht bis zum Schluss verlacht wird. Die Asiatin wird zwangsprosituiert und mehrfach geschändet, ihr Bruder verblutet, als ihm ein kariöser Zahn auf der Arbeit in der Asia-Küche heraus gebrochen wird. Wo reichlich roter Saft spritzt, muss man sich nicht fragen, warum die Opfer hier durchweg stumm gemacht werden, warum sich der stets um poetische Fügungen bemühte Künstler Schimmelpfennig mehr darum kümmert, dass ein jedes Zeichen schön mit anderen korrespondiert, als was es eigentlich besagen soll. Der verlorene Zahn darf sich am Schluss mit seinem verblichenen Besitzer idealtypisch im Fluss wiedervereinigen. Ein flüssiges Finale für einen weichgespülten Themenabend.

 

Hier lesen Sie die Nachtkritik und Kritikenrundschau zur Uraufführung in Wien. Den Text von Roland Schimmelpfennig hat Simone Kaempf in ihrem Stückporträt näher unter die Lupe genommen. Und hier berichten wir vom Publikumgespräch.

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