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Publikumsgespräch zu Kathrin Rögglas "die beteiligten"

Im Secondhand-Modus

von Sarah Heppekausen

25. Mai 2010. Kathrin Röggla geht es in dieser Runde ähnlich wie ihren Figuren. Sie befindet sich gewissermaßen in der zweiten Reihe. Am ersten Vorstellungstag von "die beteiligten" konnte die Autorin noch nicht in Mülheim sein und also auch nicht zum Publikumsgespräch kommen. Jetzt konfrontiert Moderator Gerhard Jörder sie mit den kritischen Anmerkungen der Zuschauer des ersten Abends, stellt ihr Fragen aus zweiter Hand. Eine Wiedergabe im Konjunktiv, der Röggla als geübte Autorin der indirekten Rede naturgemäß nicht traut. "Gestern sagte ein Zuschauer, das Stück bringe gar nichts Neues. Ein anderer meinte, auch als medienkritisches Unternehmen sei es nicht besonders plausibel", wiederholt also Jörder. Und Röggla kontert: "Muss ich mir jetzt die Verrisse von gestern anhören?" Anders als die Figuren in ihrem Stück lässt sich die Autorin auf derlei vermittelte Rede gar nicht erst ein.

Auf direkte Nachfrage eines Zuschauers antwortet sie dann aber doch: "Es geht gar nicht um die Medien, sondern um die Leute." Medienschelte im Stil der 70er Jahre liege ihr fern. "Es geht um unsere Beteiligung." Dann folgt heftiges Husten. Kathrin Röggla ist krank. Jörder fragt, ob er irgendetwas tun könne. Regisseur Stephan Rottkamp bietet ihr ein Bonbon an. "Es hilft alles nichts", winkt Röggla ab. Der aufmerksame Stücke-Leiter Udo Balzer bringt ihr trotzdem einen Tee.

Textsurfen schwer gemacht

Vielleicht nimmt das Publikum Rücksicht auf die erkältete, in einen großen, bunten Schal eingewickelte Autorin. Am Abend zuvor zumindest soll die Diskussion lebhafter gewesen sein. Nur eine Frau meldet sich tapfer zu Wort, sie war bereits zum zweiten Mal in der Vorstellung. "Ich finde es wahnsinnig anstrengend, dem Text zu folgen. Man muss sich die Distanz immer wieder bewusst machen. Je besser die Schauspieler sind, desto schwieriger ist das." Die Figuren im Stück reden permanent in der indirekten Rede, über sich selbst in der dritten Person. Für die Schauspieler war das wohl ebenso schwierig wie für die Zuschauer. "Es dauert, bis man auf dem Text surfen kann", meint Anna Kubin, die die Online-Moderatorin spielt. "Es ist schwierig, eine Figur zu entwickeln, Leichtigkeit zu finden." Susanne Tremper (die "Irgendwie-Nachbarin") erzählt, dass sie sich wahnsinnig konzentrieren müsse. "Es ist nicht die Sprache, die ich spreche. Ich denke ja nicht im Konjunktiv. Würde, wolle, was, wie...?"

Kathrin Röggla, die nach 2006 ("draußen tobt die Dunkelziffer") zum zweiten Mal nach Mülheim eingeladen ist, verwendet gern die Form des Konjunktivs. Sie biete die Möglichkeiten der zeitlichen und räumlichen Verschiebung und einer neuen Vermittlungsebene. Die Katastrophe als Thema und die Recherche als zentraler Teil des Arbeitsprozesses sind weitere ihrer Autoren-Spezialitäten. Nicht als journalistisch, sondern als dokumentarisch würde sie ihren Ansatz bezeichnen. Sonst gehe sie immer zu den Leuten hin, zu Schuldnerberatern oder Flugangstpatienten zum Beispiel. Diesmal hat sie die Online-Foren der Artikel zum Fall Natascha Kampusch durchstöbert. "Es war der Hammer, was da abging."

Kekse kabbern

Online-Foren-Nutzer sprächen als Getrennte und doch Vereinte, hat Röggla bemerkt. Stephan Rottkamp wolle eben dieser Trennung in seiner Inszenierung Raum geben, erklärt er die Idee der sechs Boxen, in denen Zuschauer und Schauspieler sitzen. "Die Menschen leben eigentlich im eigenen Kosmos." Sinnlich erfahrbar machen wollte er damit auch das Moment der Gefangenschaft. Rottkamp redet, aber ungern. Viel lieber würde er vom Publikum wissen: "Wie geht's Ihnen damit?" Doch in den Reihen vor dem Podium regt sich nicht viel. Kein Jubel, kein Protest. Die Zuschauer lauschen lieber den Erzählungen der Schauspieler über ihre Erlebnisse in der engen Box. Über den kleinen Jungen, der direkt vor Susanne Tremper Kekse knabberte. Über eine Frau, die Anna Kubin nach ihren Stiefeln fragte. Oder über die Leute, die sich – als würden sie Fernsehgucken – laut unterhielten.

Vielleicht litt dieses Publikumsgespräch ein wenig unter dem Bewusstsein einer Secondhand-Veranstaltung. Einmal Gesagtes und Gefragtes klingt beim zweiten Mal nur noch halb so spannend.

 

Mehr zu Kathrin Röggla. Hier gibt's außerden den Shorty zum Mülheim-Gastspiel.

 

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