Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Kleiner Riese Stanislas - Kathrin Leuenberger und Sibylle Heiniger pusten ein luftiges Geschichtchen vom Anders-Sein durch ihr Papiertheater

Roll-Ritsch-Raschel-Kunst

von Anne Peter

20. Mai 2010. Dieses Theater passt auf eine Sackkarre. Man kann es so ziemlich überallhin mitnehmen. Eine kleine Trittleiter, ein nach oben ausfahrbarer Metallständer mit einer großen Lupe darauf, eine Wäscheleine nebst Klammern. Und natürlich jede Menge Papier, das von einer großen Papierrolle abgerollt wird. Mehr braucht es nicht, um die Geschichte des Kleinen Riesen Stanislas zu erzählen, der als Winzling beginnt und immer größer und größer wird, bis keiner mehr mit ihm Fußball spielen will. Denn wer hat schon Lust, den Ball dauernd aus dem Nachbardorf zurückzuholen?

stanislas4Bald traut sich Stanislas nicht mehr auf die Straße, zieht sich auf den Dachboden zurück, pflanzt Efeu und Erbsen. Später wird er vom Zirkus engagiert und dort zur Attraktion. Doch Stanislas möchte nicht immer nur angestarrt werden. Zumal Helena, die Seiltänzerin, in die er sich verliebt hat, ihm vorwirft, dass er allen bloß die Show stehle. Also zieht der traurige Riese mit der Ameise Arthur von dannen. Das zielstrebige Tierchen ist, mit der Parole "immer geradeaus" und einem Papierboot im Gepäck, auf der Suche nach einem Wasser, in dem es sich einfach treiben lassen kann. Am Ende landen die beiden am Meer. "So leicht und schwerelos habe ich mich noch nie gefühlt", freut sich Stanislas und steigt bald sogar zum beliebten Bademeister auf.

Zauberhaft zarte Papierwelten

Stück und Inszenierung sind in der Produktion des Schweizer Figurentheaters Lupine aufs Engste verwoben und scheinen schwer voneinander ablösbar. Als Autorinnen von "Kleiner Riese Stanislaus" firmieren denn auch sowohl die Spielerin Kathrin Leuenberger als auch die Regisseurin Sibylle Heiniger. Die beiden schenken ihren Zuschauern ab fünf ein kleines, feines Figurenverfertigungs-Theaterstündchen, in dem der Text ganz auf die Erschaffung zauberhaft zarter Papierwelten abgestimmt ist.

Ganz allein steht die zierliche Puppen- und Objekt-Theaterfachfrau Kathrin Leuenberger dabei auf der Bühne. Sie spannt Papierbahnen mit Wäscheklammern auf, lässt den Cutter Muster schneiden – und fertig sind Haus, Schule, Zirkuszelt. Ein Baum, ein Garten, ein Meer. Aus dem ausgeschnittenen Rest knüllt und formt diese Roll-Ritsch-Raschel-Künstlerin vor den Augen der Zuschauer im Handumdrehen ihre fragilen Figuren. Behende springt sie dabei zwischen den Tonlagen, gibt den Riesen mit tiefer Stimme, die tanzende Zirkusgiraffe mit amerikanischem Akzent und den Rest der Figuren mit Schweizer Färbung.

Leuenberger hält den winzigen Stanislas hinter die Lupe und lässt ihr eigenes Erzählerinnengesicht darin bisweilen groß werden. Immer wieder verschiebt sie derart spielerisch die Größenverhältnisse, auf dem hohen Berg wird Stanislas wieder zum Winzling, im Albtraum entrollt sich seine Größe ins Überdimensionale. Und trotz seiner Größe fühlt sich der Riese auf einmal ganz klein – "nur sieht das niemand". Die papierne Gestalt erzählt auch von Verletzlichkeit.

Wie zufällig zusammen geweht

Der große Reiz dieser Inszenierung liegt eindeutig in ihrem Schau- und Staunwert. Die charmant-improvisierten Bastel-Bilder umhüllen und dominieren das luftig leicht geratene Geschichtchen vom Anders-Sein, dessen Teile bisweilen ein bisschen zufällig zusammen geweht erscheinen. Wie ein Blatt im Winde wendet es sich in loser Dramaturgie ohne zwingende Stringenz mal hierhin, um dann nach dort zu schwenken. Motive werden mehr angetupft als ausgeführt. Figuren ploppen auf und tauchen wieder ab.

Nachdem Stanislas und Arthur sich am Meer wieder begegnet sind, "ist die Geschichte eigentlich fertig". Es wird dann aber in einer Art Epilog doch noch vom Bademeister-Happy End erzählt, bei dem Stanislas der blasierten Seiltänzerin, die plötzlich einherschwimmt, auch noch einen schönen Korb geben darf. Er entscheidet sich gegen die eigene Zur-Schau-Stellung, das Sensationelle, den Zirkus. Und hat gelernt, die ihm eigene Extravaganz mit einem Achselzucken zu quittieren: "ja, ja, ich bin groß. Das gibt es halt."

 

Kleiner Riese Stanislas
von Kathrin Leuenberger/Sibylle Heiniger
Uraufführung am Schlachthaus Bern (Produktion: Figurentheater Lupine), 11. November 2009

Regie: Sibylle Heiniger, Ausstattung: Kathrin Leuenberger, Musik: Simon Hostettler, Kostüme: Barbara Schleuniger.
Mit: Kathrin Leuenberger
(ab 5 Jahren)

www.figurentheaterlupine.ch

 

Einen genaueren Blick in den Text gibt's im Stückintro. Stanislas selbst gibt in ruhrpod 5 Auskunft.

 

Mehr zu Kathrin Leuenberger/Sibylle Heiniger

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy