Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Ein erster Blick auf die Auswahl 2010

Ein illustres Feld

von Anne Peter und Christian Rakow

15. März 2010. Repräsentativer hätte die Auswahl im Ruhr-Kulturhauptstadtjahr 2010 kaum ausfallen können. Die diesjährigen Mülheimer Theatertage versprechen ein Gipfeltreffen: Mit Elfriede Jelinek (dreimalige Preisträgerin, zum vierzehnten Mal eingeladen), Dea Loher (zweimalige Preisträgerin, zum siebten Mal eingeladen) und Roland Schimmelpfennig (ebenfalls zum siebten Mal eingeladen) wird der international bewährte Teil der deutschen Gegenwartsdramatik vertreten sein.

Und zwar in Inszenierungen, die Lorbeer-bekränzt direkt vom Berliner Theatertreffen anreisen: Jelineks Finanzkrisenstakkato "Die Kontrakte des Kaufmanns" von ihrem Intimus Nicolas Stemann inszeniert, Dea Lohers "Diebe" von dem ihrigen Andreas Kriegenburg. Roland Schimmelpfennigs führte bei "Der goldene Drache" selbst Regie.

Repräsentativ und repräsentationskritisch

Von den prägenden Dramatikern der letzten Jahre fehlt eigentlich nur René Pollesch, der bei den Stücken '06, '08 und '09 dabei war (2006 gewann er zuletzt den Dramatikerpreis). Die vielversprechende Idee von Auswahljuror Franz Wille auf dem letztjährigen Jury-Podium, man müsse einmal eine ganze Pollesch-Serie einladen, hat sich also nicht eingelöst. Dabei wären die jüngsten Arbeiten in Zürich und Berlin, die mit Robert Pfallers Interpassivitätstheorie einen neuen Akzent in Polleschs immergrüner Repräsentativitätskritik setzen, durchaus geeignet gewesen. Und in dem eindrucksvollen Fabian-Hinrichs-Solo an der Volksbühne Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang kann man Polleschs Gedankengängen endlich auch mal in Ruhe folgen!

Zwei weitere Mülheim-Vertraute sind in diesem Jahr markant in Erscheinung getreten: Falk Richter mit Trust (im Verbund mit der Choreographin Anouk van Dijk durch Richter selbst an der Berliner Schaubühne inszeniert) und Lukas Bärfuss mit Öl (in der Regie von Stephan Kimmig am Deutschen Theater Berlin), beide durch starke Inszenierungen zusätzlich aufgewertet. Es hat nicht gereicht.

Die neuen Stimmen

Stattdessen sind wichtige Stimmen der jüngeren Generation vertreten, ja zwei der derzeit paradigmatischen Angebote: Ewald Palmetshofer ("faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete"), der österreichische Sprachvirtuose, und Dirk Laucke, der Milieuwühler mit ostdeutschen Wurzeln ("Für alle reicht es nicht"). Hier die Option denkwütige Formstrenge, dort der hinlauschende Realist der Jugendclubs.

Komplettiert wird diese Riege der Newcomer (die beide schon eine Mülheim-Einladung in der Tasche haben) durch einen Debütanten, der gar nicht wie einer wirkt: Nis-Momme Stockmann ist der Shootingstar der letzten Monate. Im Mai 2009 räumte er die Neudramatiker-Preise in Heidelberg und beim Berliner Stückemarkt ab, ganze drei seiner Stücke erlebten seither ihre Uraufführung. Nach Mülheim kommt nun nicht sein preisgekrönter Nachspielerfolg Der Mann, der die Welt aß, sondern das verschlungenere "Kein Schiff wird kommen", das erst kürzlich in Stuttgart urinszeniert wurde. Die deutlich kühnere Wahl!

Kathrin Röggla (ebenfalls zum zweiten Mal in Mülheim vertreten) fügt dem illustren Feld die Stimme des Dokumentartheaters hinzu. Ihr medienkritisches Exemplum "Die Beteiligten" geht dem Natascha-Kampusch-Fall nach. Repräsentative Künstler allerorten, prägnante Angebote unserer Gegenwartsdramatik. Was will man mehr von einem Mülheim-Jahrgang?

Ein gutes Jahr

Einzig das erneut fehlende achte Stück stimmt in einem solchen Jahrgang nachdenklich. Auf dem Zettel hatte man etwa auch den anderen Stückemarkt-Gewinner aus dem letzten Jahr, Oliver Kluck, dessen Prinzip Meese jüngst in einer erfrischend zupackenden Inszenierung des blutjungen Antù Romero Nunes am Gorki Theater heraus kam. Thomas Freyers Provinz-Verödungs-Drama Im Rücken die Stadt hätte die Reihe der Nach-Wende-Problemdramatik um Laucke und Stockmann würdig erweitert. Und in PeterLichts origineller Molière-Fortschreibung Der Geizige wäre Palmetshofers "Faust" ein zweites wortakrobatisches und diskursstarkes Klassiker-Remake an die Seite getreten.

Wohlgemerkt, hiermit sind erst die Berliner Uraufführungen genannt. In solch einem bemerkenswerten Dramatikerjahr hinterlässt die Unterschreitung von maximal acht Einladungen für das diesjährige Festival einen leisen Phantomschmerz.

 

Hier geht's zur Auswahl für den diejährigen Mülheimer Dramatikerpreis.

 

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy