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Sieben Fragen an Franziska Steiof

Ein Stück Meer Liebe

1. Mit "Undine, die kleine Meerjungfrau" greifen Sie auf einen klassischen Stoff zurück, der u. a. durch Hans Christian Andersen berühmt wurde. Wo lag für Sie der Reiz einer Neubearbeitung?

Christian Andersens Märchen begleiten mich schon ein Leben lang. Als Kind war mein Lieblingsmärchen ausgerechnet das düster-traurige "Mädchen mit den Schwefelhölzern". Und vor Jahren habe ich fürs Düsseldorfer Schauspielhaus mit großer Lust seine "Schneekönigin" als Musiktheaterfassung neu bearbeitet. Auch seine "Kleine Meerjungfrau" ist voller starker Atmosphären und psychologischer Tiefe. Die Geschichte beinhaltet sowohl klassische Märchenmotive, wie auch zeitlose Fragen an die menschliche Entscheidungsfähigkeit. Insofern war es eine wunderbare Aufgabe, Phantasie und Bilderkraft Andersens – ohne sie zu beschädigen – in die moderne Welt zu "transportieren" und mit Humor und moderneren Fragen an das Mensch-sein zu verknüpfen.



2. "Man muß nichts lieben, was einen umbringt", bringen Undines Schwestern ihr bei. Ist "Undine" ein Stück für die Singles von morgen?

Ich habe in Undine versucht auszuloten, wie weit Liebe und Hingabe gehen kann und wann sie lebensbedrohlich und selbstzerstörerisch wirkt. An diesem Punkt ist sie im eigentlichen Sinn keine Liebe mehr. Denn wenn wir uns auflösen, stehen wir dem geliebten Objekt nicht mehr als Gegenüber zur Verfügung, können nicht mehr geben, weil wir nur noch in den Augen und dem Begehren des anderen existieren. Undine ist eine Hommage an die Liebe – an ihre Möglichkeiten, Entwicklungschancen und Grenzen. Ein Stück für die Paare von morgen!

3. Inwiefern taugt die Meerjungfrau als ein weibliches Wesen, das nur durch die Liebe eines Mannes zum Mensch-Sein erlöst werden kann, heute noch als positive Identifikationsfigur für junge Mädchen?

Hier weiche ich sicher am weitesten von Andersens Märchenvorlage ab. Denn im Stück ist die Liebe des jungen Prinzen nur ein Teil des Weges von Undine. Ihre Gefühle führen sie in die Menschenwelt, aber die Erlösung findet nicht durch einen anderen, sondern durch sich selbst statt.

Jetzt wäre es spannend zu sehen, wie sich der junge Prinz ohne Undines Hingabe weiter entwickelt...

4. Der männliche Held schneidet bei Ihnen nicht ganz so gut ab. Warum ist "Undine" trotzdem auch ein Stück für Jungs?

Der männliche Held ist einer, der schwankt, zaudert und sicher nicht versteht, was in den ihn umgebenden Mädchenfiguren Undine und "die Andere" vorgeht. Er ist schlicht überfordert vom Gefühlsleben der beiden weiblichen Figuren, aber auch freundlich und wohlgesonnen. In ihm habe ich versucht, das zur Zeit starke Thema von Entscheidungsunfähigkeit zu spiegeln. Gerade aufwachsenden Jungs und Männern kommen die Handlungskriterien zunehmend abhanden, sie wirken gleichsam orientierungslos in einer Welt voller angeblicher Möglichkeiten. Insofern steht mein Held für eine Haltung, einen Zustand, der nicht ganz untypisch in einer sich rasend verändernden Umwelt voller widersprüchlicher Ansprüche ist.

5. Sie arbeiten nicht nur als Theaterautorin, sondern auch als Personaltrainerin für Unternehmensberatungen. Welche Kompetenzen beziehen Sie aus diesem theaterfernen Bereich für Ihre künstlerische Arbeit?

Als Coach und Personaltrainer geht es im Kern um ähnliche Kompetenzen, wie in der Theaterarbeit – es geht um das sehen, wahr-nehmen von Menschen und den sie bewegenden Motiven. Wie Pina Bausch so unnachahmlich sagte: "Was ich tue? Ich gucke".

Als Trainer und Coach geht es für mich im zweiten Schritt um die Lösungsorientierung – die Weiterentwicklung von Persönlichkeiten und Projekten. Arbeit in der Wirtschaft kann das Theater lehren, dass das Problem kein Selbstzweck und nichts Heiliges ist, sondern Stoff für Entwicklungen.

6. Die diesjährigen Mülheimer "KinderStücke" werden erstmals als Wettbewerb ausgerichtet. Wirkt Konkurrenz für die Kunst befruchtend?

Allein das Denken in einer Kategorie wie "Konkurrenz" verhindert jeden kreativen Akt. Dass sie dennoch existiert, ist für den Kunst-genießer ein Glück. Aber nicht für den, der sie produziert.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Am liebsten würde ich zu dritt Wein trinken: mit Michael Kohlhaas und dem Käthchen von Heilbronn. Und sie zum Thema Intuition und Radikaliät befragen....und was ihr Leben lebenswert gemacht hat.


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