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Sieben Fragen an Ewald Palmetshofer

Glück für alle

palmetshofer1. Sie haben einmal gesagt, Sie würden ein Stück schreiben, wenn Sie mit Theorie nicht mehr weiterkämen. Welches Theorieproblem überwinden Sie mit "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete"?

Gleich vorweg: Das Problem wird nicht überwunden. Es ist zwar der Ausgangspunkt für ein Stück. Am Ende steht aber mit einem Theatertext nicht dessen Lösung. Im besten Fall ist das Problem damit freigelegt, sind die Fragen umrissen und gestellt, ist es nicht nur dem Denken, sondern auch dem Fühlen aufgegeben.

Bei "faust hat hunger" gab es drei für mich zentrale Problemstellungen:

Zum Ersten war da die Fragen nach dem Glück. Ist es nicht so, dass unser Glücksverständnis immer ohne die anderen auskommt, das heißt ohne das Glück der anderen? Es scheint, als hätte sich durch die Geschichte hindurch ein bestimmter Glücksdiskurs durchgesetzt, in dem Glück immer als etwas FÜR den Einzelmenschen gedacht wird. In einer Tradition, in der das Sein immer als EINES gedacht wurde und nicht etwa als Mit-Sein mit anderen, ist auch das Glück EINES, also meines, und nicht Mit-Glück mit anderen. Zur Frage steht also das Begehren nach dem schönen Augenblick angesichts der anderen. Müsste Glück nicht auch immer Glück für alle sein?

Von daher stellte sich die zweite Frage: Kann es sein, dass dieses faustische Begehren, das paradigmatische Phänomen des gegenwärtigen industriestaatlichen Menschen ist – ohne ideelle Abgesichertheit und völlig alleine für sich ein Glück zu wollen?

Und schließlich war da die Frage nach dem Tod. Müsste man den Tod nicht viel radikaler denken? Wenn es nur Welt gibt, und sonst nichts, wenn keine Stimme aus dem Himmel am Ende "gerettet" ruft, wie erträgt man, dass der Nebenmensch in den Tod verschwindet? Wie erträgt man, dass im Tod das Unglück, und noch viel mehr das Unrecht unwiderruflich letztes Wort hat?

2. Sie haben mit dem Schreiben von Prosa begonnen. Wieso der Wechsel ins Theaterfach?

Diese Kurz-Prosa zu Beginn meines Schreibens war für den gesprochenen Vortrag gedacht, ohne dass ich das beim Schreiben selbst gewusst hätte. Erst bei Lesungen merkte ich, dass diese Texte nicht von ihrem Vortrag getrennt werden können, dass sie jenseits des Sprechens nicht das sind, was sie sind. Das war eine Überraschung und hat nach und nach zur dramatischen Form geführt.

3. Sie beziehen sich in den Titeln Ihrer letzten beiden abendfüllenden Stücke auf zwei der größten Klassiker der Dramenliteratur, auf "Hamlet" und "Faust". Wie wichtig waren diese literarischen Vorlagen für Sie?

Die klassischen Vorlagen haben in diesen beiden Stücken unterschiedliches Gewicht. Bei "hamlet ist tot" hat sich "Hamlet" indirekt und allmählich in meinen Text gedrängt, und das vor allem über das Moment des Zauderns und die Frage nach der Tat, der Intervention. Bei "faust hat hunger" war im Gegensatz dazu die Auseinandersetzung mit der Vorlage von Anfang an zentraler und damit die Frage, was bleibt von "Faust" unter den Vorzeichen der Gegenwart und unter einem leeren Himmel und von mir aus auch vor einer leeren Hölle. Nachträglich betrachtet scheint mir, als wären "faust" und "hamlet" zwei Seiten einer Medaille. So, als müsste man, wenn man von einem Phänomen spricht, immer auch vom anderen reden. Als wären wir heute beides zugleich, zaudernd und maximal begehrend.

4. In "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete" rückt die weibliche Figur mit in den Titel und überhaupt ins Zentrum des Stückes. Bedeutet das eine feministische Wendung des Stoffes?

Ich wollte im Durchgang durch das Stück bei Faust beginnen und bei Grete enden. Mir war wichtig, Grete als die "faustischere" Figur, als diejenige, die bis in die letzte Konsequenz ihrem Begehren treu bleibt, sichtbar zu machen. Als ginge es darum, dieser Grete im Kerker und am Acker etwas zurückzugeben. Und ich wollte, dass diese Grete nicht wieder bloß ein "Gretchen" ist.

5. Sie sind berühmt für die eigentümlich abgerissenen, elliptischen Dialoge zwischen Ihren Figuren. Was leistet dieses Stilmittel?

Ich glaube, es sind nicht nur die Dialoge für sich. Wichtig ist vielleicht vielmehr die Spannung zwischen Dialogen und Monologen, zwischen dieser sich überstürzenden Sprecharbeit in der Gruppe und dem vereinzelnden, breiten Sprechen-Denken. Beide Gesten zeigen den Versuch, mit dem Unerträglichen umzugehen, es auf Abstand zu halten oder in dessen Mitte zu springen, um es aus der Nähe zu bezwingen. Und die Anstrengung und das Scheitern in all dem.

6. Wie schon bei "hamlet ist tot" arbeiten Sie in "faust hat hunger" mit der Regisseurin Felicitas Brucker zusammen. Inwieweit beeinflusst Bruckers Inszenierungsstil und die Spielweise des Ensembles des Wiener Schauspielhauses Ihre Textarbeit?

Bei "faust hat hunger" standen Felicitas und ich schon während meiner Schreibarbeit immer wieder in Austausch, um wach zu halten, was uns beide an diesen Fragen und dem Stoff umtreibt. Das war eine neue und spannende Erfahrung, nachdem wir uns bei "hamlet ist tot" erst über dem schon fertigen Text so richtig kennen lernten. Nach "hamlet" für dieses Team aus Ensemble und Regie ein weiteres Stück zu schreiben war sehr aufregend. Einerseits musste ich mich vom "hamlet" befreien, andererseits konnte ich mit "hamlet" im Rücken auf die Spielweise und Schärfe im Denken des Ensembles und auf Felicitas Arbeit und inhaltliche Passion vertrauen, was es ermöglichte, inhaltlich und vor allem formal komplizierte Setzungen zu riskieren.

7. Mit welcher Figur aus der Literatur- oder Weltgeschichte würden Sie gern mal ein Bier trinken gehen?

Keine Ahnung. Vielleicht mit Freud. So oder so eine fürchterliche Vorstellung: sich einen Toten oder eine Tote an den Tisch zu wünschen.

 

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