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Publikumsgespräch zu Ewald Palmetshofer "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete"

Ein Faust ohne Himmel

von Dina Netz

2. Juni 2010. "Ich bin ziemlich langsam." Das sagt Ewald Palmetshofer mit entwaffnender Ehrlichkeit und nicht ohne sich ein bisschen über sich selbst zu amüsieren. Dem Autor ist der Erfolg der vergangenen drei Jahre sichtlich nicht zu Kopf gestiegen. Palmetshofer antwortet mit seiner Selbstaussage auf die Frage des Moderators Gerhard Jörder, warum er jedes Jahr höchstens ein abendfüllendes und ein Kurzstück veröffentliche. Jörder vermutet, dass Palmetshofer sich nicht verschleißen wolle und nur die besten Angebote annehme. Wieder dieses entwaffnende und zugleich entwaffnete Lächeln bei der Antwort: "Wenn ich schreibe, muss ich mich schützen. Dann kann ich gar nicht alle Aufträge annehmen, sonst werde ich nicht fertig."

Und ebenso langsam, wie er schreibt, verfertigt Ewald Palmetshofer seine Gedanken beim Reden. Auch nach einigen Jahren im Theaterbetrieb und vielen Publikumsdiskussionen wirkt er ein wenig hilflos beim Formulieren der eigenen Anliegen. Die nicht sehr ausgeprägte ad-hoc-Eloquenz des Österreichers trifft an diesem Abend auf einen etwas ungeduldigen Moderator, der dem Autor wenig Zeit lässt, seine Gedanken zu entwickeln – so dass das Publikum leider wenig neue Einblicke in das Palmetshofer-Universum bekommt.

Mephisto ist unter uns

"Was bleibt übrig von Faust unter der Voraussetzung, dass der Himmel leer ist?" Das ist die Ausgangsfrage, die Ewald Palmetshofer bei seiner Beschäftigung mit dem Goethe'schen Stoff umgetrieben hat. Und da Himmel und Hölle leer sind, ergänzt er, müsse Mephisto unter uns sein. Regisseurin Felicitas Brucker ergänzt, dass Mephisto sich also auf die ganze im Stück auftretende Gruppe aufgeteilt habe, "sie sind alle Mephisto". Das Mephistophelische sei, dass wir alle über den Zustand der Welt unsere Augen schließen müssen, "weil man sonst verrückt würde", fügt Dramaturgin Brigitte Auer hinzu: "Sie haben kein Blut an den Händen, sondern eine vagere Schuld, weil sie mit der Begegnung von Heinrich und Grete etwas Fatales angestoßen haben."

Diese Verortung von Mephisto im Stück veranlasst eine aufmerksame Zuschauerin zu der Frage: "Wenn Himmel und Hölle leer sind – wo ist dann Gott?" Wehmütiges Lächeln des Autors. Eine andere Zuschauerin, die Jurorin Katja Lange-Müller, fragt nach dem Namen des im Stück auftauchenden Kindes: warum Ismael? Hier stecke Gott, in der letzten Silbe des Namens, den die Figuren im Stück immer wieder vergessen, so Palmetshofer. Und fügt in seiner knappen Art hinzu: "Zumindest gibt es das Wort Gott noch."

Glück ist eine egozentrische Sache

Ob es sich bei dem toten Kind um das Kind Gretes oder das von Anne und Fritz handele, will eine weitere Zuschauerin wissen. Diesmal gibt Palmetshofer eine präzise Antwort: Es handele sich um das Kind von Grete. Doch er habe diese Frage im Text absichtlich so lange wie möglich offen halten wollen, weil die Zukunft von Anne und Fritz (im Mehrfamilienhaus mit Kleinkind) auch die von Heinrich und Grete hätte sein können. Und Grete ist für ihn die radikalste, die "faustischste" Figur des Stücks, weil sie auf ihrem Begehren beharrt und es bis zur letzten Konsequenz treibt.

Die Suche nach Wahrheit und nach Glück – diese Themen hat Ewald Palmetshofer als aktuell in Goethes "Faust" ausgemacht und in "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete" bearbeitet. Wie auch in den Sieben Fragen, die nachtkritik.de ihm vorgelegt hat, kritisiert er, dass das abendländische Glücksdenken immer notwendig das Glück einer Person sei: "Unser Glück ist immun gegenüber dem Glück der anderen." "Glück ist eine sehr egozentrische Sache", souffliert Dramaturgin Brigitte Auer. Den weiteren Ausführungen des Autors hierzu ist schwer zu folgen, denn Ewald Palmetshofer spricht noch komplizierter, als er Dramen schreibt. Immer wieder kommt er auf eine "radikale Setzung" zu sprechen, deren Inhalt aber abstrakt bleibt.

Leseprobe, Schreibkämmerlein, zweite Fassung

Sehr angeregt plaudern dagegen Regisseurin und Schauspieler über den Probenprozess am Wiener Schauspielhaus, in den der Autor eng eingebunden war. Schauspielerin Nicola Kirsch erzählt, dass das Team sehr davon profitiert habe, dass man sich von der vorigen Arbeit an hamlet ist tot. keine schwerkraft schon kannte: "Dadurch gab es ein Vertrauensverhältnis, das uns Schauspielern auch erlaubt hat zu formulieren, was fehlte und nicht funktionierte." Und so zog Palmetshofer sich nach der ersten Leseprobe noch einmal in sein "Schreibkämmerlein" zurück und schrieb eine zweite Fassung, die dann nur noch leicht bearbeitet wurde. Wobei Felicitas Brucker betont, dass alles Gesprochene so auch im Text stehe und nichts improvisiert wurde.

Schauspieler, Regisseurin, Dramaturgin und Autor geben sich leutselig wie auf einer Klassenfahrt – und alle (bis auf den Autor) stimmen freundlich zu, als Moderator Jörder die Einrichtung eines neuen Preises anregt: den für den originellsten Stücktitel. Der wäre Ewald Palmethofer in diesem Jahr nämlich sicher.

 

Mehr zu Ewald Palmetshofer.

 

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