Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Shorty 7 – zu Ewald Palmetshofers "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete"

Faustische Frauen

von Christian Rakow

2. Mai 2010. "Der Mensch ist ein Rückkehrer", heißt es in Ewald Palmetshofers faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete. Und wie wahr, fast die gesamte Mannschaft des Wiener Schauspielhauses hat man schon vor zwei Jahren hier erlebt, als sie – ebenfalls in der Regie von Felicitas Brucker – Palmetshofers furioses Mülheim-Debüt hamlet ist tot. keine schwerkraft ins Theater an der Ruhr brachte.

Ein Nachfolgewerk, zumal wenn es wie hier auch inhaltliche Vergleiche nahe legt, hat oft mit der Liebhaber-Skepsis zu kämpfen. Das kennt man von CD- und Plattenkäufen. Je heller der Erstling strahlt, desto eher gerät die zweite Scheibe in den Schatten. So auch hier. Nach einem wohltuend legeren Vorspiel und Prolog hebt die Hausparty, aus deren Mitte Palmetshofer seine moderne Faust-Version entwickelt, auffallend spröde an.

Testfahrt mit ABS

Eher äußerlich und technisch, denn von innerer Glut angetrieben, arbeitet sich Steffen Höld in seine ersten Faust-Monologe hinein. Seine Rede vom Glückstransit – eher eine vorsichtige Testfahrt mit ABS. Um ihn herum sind die Mitspieler minutenlang zum Stehen verdammt. Eine lockere Impro-Situation, die der Text nahe legt, will nicht aufkommen.

Es ist auch kein Leichtes. Palmetshofers "faust" nimmt sich gegenüber "hamlet" gerade in den Monologen ungleich kognitiver aus; seine verschlungene Metaphysik- und Subjektkritik speist sich weniger aus konkreten Bildern und Szenen aus dem Hier und Jetzt, denn aus dem Klassikerarchiv. Entsprechend zeigen sich die gewohnt abgerissenen Palmetshofer-Verse stärker der Vorlage, Goethes "Faust", verpflichtet. Eine Faust-Erneuerung mit wenig Schwerkraft und viel Höhenkammakrobatik also.

Rebellion gegen Innerlichkeitsdenken

Hört man sich mit der Weile ein, in den Vortragsstil? Oder nimmt die Inszenierung wirklich Fahrt auf? Jedenfalls wirkt sie mit zunehmender Dauer befreiter, beschleunigt von der kleinen Drehbühne mit Baugerüst und dem atmosphärische Einsatz von Orgel- und Popmusik. Die Frauen reichen sich locker die Grete-Rolle (und einen Rock mit selbiger Aufschrift) herum. Endlich mal! Im neueren Theater werden die Frauen ja oft in seliger Einfalt und Identität vorgestellt, während sich die Männerfiguren ganz subjektproblematisch aufspalten dürfen (so etwa in Nicolas Stemanns Inszenierung der Räuber von Schiller zu erleben). Hier werden die Frauen gebrochener und faustischer als Faust selbst.

Und Palmetshofers aberwitzige Diskursmetaphern schlagen bald durch. Seine Poesie rebelliert gegen das überkommene Innerlichkeitsdenken, weil "der Körper ja ein männliches Geschlecht hat" und du ihm also "mit ganzer Kraft der Grammatik in den Schritt fahren musst". Da ist es plötzlich wieder, dieses befreiende Lachen, dieses sinnöffnende Lachen, das Ewald Palmetshofer wie wenige derzeit zu kitzeln versteht.

 

Hier lesen Sie die Nachtkritik und Kritikenrundschau zur Uraufführung in Wien. Den Text von Ewald Palmetshofer hat Anne Peter im Stückporträt näher unter die Lupe genommen. Und hier berichten wir vom Publikumsgespräch.

 

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy