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Publikumsgespräch zu Dea Lohers "Diebe"

Swing und Schicksalsdunkel

von Guido Rademachers

28. Mai 2010. "Ist dieses Stück nun eine Komödie?" Gerhard Jörder hat seine Lesebrille auf die Nasenspitze geschoben und blickt Dea Loher an. Die Autorin drückt sich in ihren Stuhl. Neben der imposanten Statur des Moderators wirkt sie ausgesprochen zierlich. "Hm. Ja." Pause. "Irgendwie schon." Und irgendwie die falsche Frage. Aber das sagt Loher nicht. Und Jörder bemüht sich weiter: "Hat sich in den 'Dieben' der Tonfall verändert im Vergleich zu Ihren früheren Stücken? Kann man von einer Wandlung sprechen?" "Ja, also...", tastet sich Loher leise zu einer Antwort vor: "Er hat sich schon ein bisschen verändert."

Dea Loher fühlt sich sichtlich unwohl bei solchen Fragen. Etwas anderes ist es, wenn sie nicht einordnen muss, sondern sich unmittelbar auf das Geschriebene beziehen kann. Die Publikumsfrage nach dem Grund für den Titel beantwortet sie in aller Ausführlichkeit mit der bloßen Beschreibung einer Szene. Schließlich zitiert sie eine ihrer Figuren: "Glauben Sie, dass es Menschen gibt, die sich durch ihr eigenes Leben hindurchstehlen, vorsichtig und scheu, als ob ihnen nichts davon gehören würde? Als ob sie Diebe wären?" Das Entscheidende läge darin, dass dies keine Feststellung sei und auch kein Urteil. Sondern eine Frage. In der sich ein Erstaunen ausdrücke. Genau das scheint auch das Entscheidende von Dea Lohers Redebeiträgen an diesem Abend zu sein.

Von Heiterkeit überrascht

Zum Thema "Komödie: ja oder nein?" gibt es auf dem Podium ohnehin die unterschiedlichsten Meinungen. Er habe gedacht, seine Figur sei ein patziger, etwas raunziger Einzelgänger, raunzt Markwart Müller-Elmau etwas patzig ins Mikro: Dass Kriegenburg ihm gesagt habe, das sei alles heiter, habe ihn schon sehr überrascht. Susanne Wolff überrascht hingegen, dass sie überhaupt lustig sein kann. Das habe sie vorher gar nicht gewusst. Und Bernd Moss fand seine Rolle (Herr Schmitt) von Anfang an komisch. "Aber das ist ein Mörder", ruft jemand aus dem Publikum. Moss: "Ein komischer Mörder. Ja, genau. Also am allerlustigsten." Kaum vernehmbar meldet sich Dea Loher: "Ich habe Familie Schmitt erstmal schon ernst genommen."

Zeit für Andreas Kriegenburg zu intervenieren: Nicht, dass der falsche Eindruck entstünde, er habe mit seiner Inszenierung die Komik in den Text hineingenötigt. Geduldig führt er aus: Es gebe im Text eingelagerte komische Motive, wie übrigens auch in den vorangegangenen Stücken Lohers. Einen veränderten Tonfall sieht er nicht. Die Einordnungen, die Loher verweigert, die Festlegungen und Urteile: Kriegenburg trifft sie. Dem Wechsel zwischen komisch und ernst in Lohers Stück entsprächen verschiedene Spiel- und Inszenierungsweisen. Und auch ein durch die Pause markierter Bruch. Der erste Teil trage starke Züge einer Nummernrevue mit Gute-Laune-Musik, Swing aus den 50er-Jahren; im zweiten herrsche ein stärkerer gemeinsamer Atem, die Grundstimmung werde dunkler, die Schicksale verbänden sich miteinander.

Die Scheuen auf die Bühne schaufeln

Und dann kommt das Publikum in Fahrt. Gut hundert Zuschauer sind nach dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer zur Diskussion geblieben und zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Vor allem Kriegenburg wird befragt. Zum fast pausenlosen Musikeinsatz etwa. "Ich bin extrem von Musik abhängig", antwortet er. "Ich versuche, damit einen Abend zu emotionalisieren und das Publikum zu führen." Oder zum Bühnenbild. Das riesige Schaufelrad helfe den Figuren, die von sich aus zu scheu wären, auf die Bühne zu kommen und hole sie wieder ab. Es separiere sie, gebe jeder einzelnen Geschichte ihren eigenen Raum und halte das Ganze doch zusammen.

Im Publikum meldet sich eine Argentinierin. Das im Stück zitierte Lied auf Spanisch sei ein politisches Lied aus ihrer Heimat. Es bedeute, dass nach der Diktatur das Leben weitergehe. Was habe es in den "Dieben" zu suchen? Loher und auch Kriegenburg, der sonst supersouverän rüberkommt, werden etwas schwammig. Jaja, das Lied sei – äh – aus dem Untergrund und es gehe um das Motiv des Hinterlassens von dieser Energie. Die Argentinierin wirkt nicht sehr zufrieden.

Nach einer Stunde, es ist inzwischen Mitternacht, beendet Gerhard Jörder die Diskussion. Die letzte Frage an Dea Loher ist die einzige persönliche an diesem Abend. Ob sie sich jetzt eine kleine Auszeit nehmen werde oder direkt weiter am nächsten Stück schreibe. "Ja, eher eine kleine Flucht."

Lohers Antwort ist nur für die ersten Reihen zu verstehen.

 

Mehr zu Dea Loher. Lesen Sie außerdem den Shorty zum Mülheim-Gastspiel.

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