Neueste Kommentare

Preisverleihung zum Anhören
Was ist das denn für eine Laudatio, ein richtiger Schimme
Preisverleihung zum Anhören
(...) ok, schimmelpfennig ist also so n total verrückter
Preisverleihung zum Anhören
Toller Service, als wäre man dabei gewesen. Danke!
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Nis-Momme Stockmann, es mag sein, dass meine Para
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Alle schimpfen und meckern die ganze Zeit. Ich versteh ni
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Christian Rakow: "Wenn sie hören, dass St
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Werter Ford Fiesta, eine "Philosophie ohne Modellbildung"
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Sehr geehrter Herr Rakow, bei einer kleinen Kleinigkeit
Ein Überblick zum Tableau der "Stücke"
Lieber Oliver Bukowski, mit dem Verweis auf Felicia Zell
Kommentar zur Jurydebatte
Chöre gehören also in die Kirche? Der Chor ist ja viellei

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Podiumsgespräch im Rahmen der KinderStücke – "Jedem Kind (s)ein Theater"

Zwei-Klassen-Theatergesellschaft?

von Sarah Heppekausen

20. Mai 2010. Es gibt sie noch. Die Grenze zwischen dem Kinder- und Jugendtheater und dem für Erwachsene. Dabei wollen sich die Macher endlich von ihr trennen wie von einer lästigen Fußfessel, sie endgültig verbannen aus Köpfen und Spielplänen. Nur: Die Erfahrung spricht gegen sie.

"Bei Stücken für Sechs- bis Zwölfjährige kommt die große Bühne nicht vor. Nur einmal im Jahr, beim Weihnachtsmärchen", weiß Anke E. See zu berichten. Sie ist Lektorin beim Kiepenheuer Bühnenvertrieb. Bekommt ein Autor einen Preis, dauere es immer noch meistens drei Spielzeiten, bis sein Stück tatsächlich auch gespielt wird. Und das mit dem Preis erworbene Renommee sei längst nicht das gleiche wie bei einem Autor von Erwachsenenstücken. Ein weiter Weg, "bis es ein (Kinderstück-)Autor ins Feuilleton schafft". Sie existieren, die zwei Klassen der Theatergesellschaft.

Gespräch unter Leidensgenossen

Die Stücke-Leiter möchten daran gerne etwas ändern. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr nicht nur das Festival im Festival, die KinderStücke, ausgerichtet, sondern auch der Mülheimer KinderStückePreis verliehen. Und die Ernsthaftigkeit, mit der in Mülheim das Thema Kindertheater aufgegriffen wird, unterstreicht auch das Podiumsgespräch "Jedem Kind (s)ein Theater".

Anke E. See, Autorin Paula Fünfeck und Moderatorin Nina Peters sitzen im Ringlokschuppen allerdings nicht auf einem Podest, sondern mit dem überwiegenden Fachpublikum gemeinsam am großen, eckigen Tisch. Ein Gespräch auf Augenhöhe unter Leidensgenossen. Denn auch hier bliebe man doch wieder sehr unter sich, wie Nora Bussenius, Regisseurin der eingeladenen Inszenierung Undine, die kleine Meerjungfrau, beim Blick in die Runde einen mangelnden Austausch zwischen den Sparten sichtbar bestätigt fand.

Lieber überfordern

Aber gibt es denn nicht auch einen Unterschied beim Schreiben von Kinder- und von Erwachsenenstücken? Bei sich selbst sieht Paula Fünfeck zumindest keinen. Als Autorin beider Stück-Typen stelle sie sich zwar vor, welches Alter der potentielle Leser hat, versuche aber nicht, es Kindern besonders einfach zu machen. "Wir überfordern Kinder permanent", erklärt die Mutter zweier Kinder. Warum solle das beim Schreiben anders sein?

In ihrem Stück "Mein lieber verrückter Vater" schreibt sie über einen neunjährigen Sohn und dessen Vater, der an einer bipolaren Störung leidet. Am Morgen hat Fünfeck das Stück Dritt- und Viertklässlern einer Mülheimer Grundschule vorgelesen. "Inhaltlich ziemlich starker Tobak", meint Nina Peters, die als eine der drei Mitglieder auch im KinderStücke-Auswahlgremium saß. Ihr weiteres Urteil über das Kinderstück: sprachlich anspruchsvoll. "Das findet man selten." Eingeladen wurde die Aufführung vom Theaterhaus Jena trotzdem nicht. Weil das Stück in der Inszenierung nicht mehr erkennbar sei.

Und sprachlich? "Guckt man, wie Kinder reden?", will Peters von der Autorin weiter wissen. "Ich bilde nicht ab, was ich höre." Auch hier will Fünfeck wieder keine Grenze ziehen. Sie beobachte Kinder nicht, sondern sehe sie als interessante Lebenspartner. Ähnlich äußert sich Petra Wüllenweber, Autorin des ebenfalls nominierten Stücks Am Horizont: "Ich schreibe nicht für Kinder, ich schreibe für Menschen."

Hitparade der Meistgespielten

Schwieriger ist dann eine andere Frage zu beantworten. Und Paula Fünfeck stellt sie sich (auf "masochistische" Weise) immer wieder selbst: "Braucht das Theater überhaupt literarisch wertvolle Stücke?" Ein anwesender Kritiker bohrt weiter in der Autoren-Wunde. Er hat beobachtet, dass in den aktuellen Inszenierungen weniger das Narrative als vielmehr das Performative, der Budenzauber im Vordergrund stehe. Welchen Stellenwert habe denn da der Text? Für Regisseurin Bussenius ist es "ganz wichtig, gute Texte zu haben. Sonst geht bei mir keine Phantasie los."

Lektorin See hat mal eine Hitparade zusammengestellt. Sie wollte wissen, welche Art des Schreibens auf der Rangliste der meistgespielten Stücke vorn liegt. An der Spitze sind unter anderen Ulrich Hubs An der Arche um Acht, Maritgen Matters Ein Schaf fürs Leben, Inèz Derksens "King A" und Bruno Storis "Die große Erzählung" – von Auftragsarbeit mit klaren Vorgaben, Adaptionen und Ensemble-Texten seien alle Arbeitsformen dabei. Ein Repertoire für Sechs- bis Zwölfjährige ist also vorhanden. "Und das spricht doch für die Qualität der Texte", meint See.

Aber was ist es denn nun für eine literarische Qualität, die es bei Kindertheaterstücken zu entdecken gilt? Szenische Kraft solle ein Text entwickeln, meint Gerd Taube aus dem Auswahlgremium. Und eine Haltung der Autoren zu ihrer Geschichte erkennbar sein. Die Welt solle nicht abgebildet, sondern befragt werden. Dieselben Kriterien hüben wie drüben? Von deutlichen Unterschieden zwischen Kinder- und Erwachsenentheater kann in dieser Hinsicht jedenfalls keine Rede sein.

 

Hier geht's zur KinderStücke-Übersicht

 

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

kleiner | groesser

busy