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Wolfszeit
Mittwoch, 2. Juni 2010

stemannwolf

Wir leben in einer Zeit der Wölfe. Im Tross der Tiere, der durch die in Mülheim präsentierte Neudramatik trottet, sind die Viecher jedenfalls ungewöhnlich zahlreich vorhanden – ein ganzes Rudel besiedelt zurzeit das Ufer der Ruhr. Doch bei genauem Hinsehen gleicht in diesem Rudel kaum ein Wolf dem anderen. Manche traben unruhig auf und ab und blähen ob des unstillbaren Hungers gierig die Nasenlöcher. Andere hinken und schauen traurig herüber. Einer wirkt gar so zahm, dass man versucht ist, ihm den Hals zu kraulen. Es macht schon einen Unterschied, ob man einem Stemann-Wolf, einem Laucke-Wolf oder einem Loher-Wolf gegenübersteht.

Bei Stemann bevölkern Wolfsmasken als kabarettistisch grelle Zeichen die Bühne, ob auf Mikrophrone oder Schauspielerköpfe gestülpt. Dieser Wolf ist der böse Wolf des Kapitalismus, der den Hals nicht voll bekommt und dem kein Kreidefressen mehr zur Engelszunge hilft. Die Wolfsmenschen erheben in blinder Selbstzerstörung blutige Äxte gegeneinander. In ihnen bricht sich die Wolfsnatur der neoliberalen Spezies Bahn, für die jene Schafsköpfe auf Kleinanlegerkörpern leichte Beute und gefundenes Fressen sind.

Um dieses stark-nackige Herrschertier machen die feingliedrigeren Loher- und Laucke-Wölfe eher einen Bogen. Letzterer zieht sogar ein wenig den Schwanz ein. Der Wolf, den Lohers Linda gesehen zu haben glaubt, steht im Gegensatz zur Stemann'schen Rasse nicht für den Typus, der sich durchgesetzt hat, sondern für das geheimnisumwitterte Andere. In seinen Augen flackert das Licht einer neuen Zeit. "Hast du eine Vorstellung, wie dich so ein Tier, so ein Wolfstier ansieht", fragt Linda. "Da gibt es keine Beruhigung./ Solche Augen kann kein Haustier." Doch "soll man sich dann freuen oder eher nicht. Steht Wolf für Anfang Neubeginn oder für Abschied Verfall." Er ist der Vorbote der zurückkehrenden Natur bzw. des Wildparks, der das als Zivilisations-Zeichen fungierende Thermalbad ablösen wird.

Wie bei Loher ist der Wolf auch bei Laucke Signum fortschreitender Versteppung. Menschen gehen, Wölfe kommen. Lauckes dürrer Kreatur steckt allerdings kein bisschen Loher'sche Hoffnung mehr in den Knochen. Kein Zweifel, er kommt als Bote von "Abschied Verfall", wird zur Allegorie der DDR, die in Heiners Kopf genauso wenig sterben will, wie das von ihm angeschossene, aber nicht getötete Tier. Und auch Panzer-Heiner selbst, der sich bei Sandra Strunz zu Anfang aus dem Wolfsfellmantel schält, ist so ein verwundeter Kerl, der nicht mehr von der Stelle kommt. Für Anna ist dieser Wolf ein Mitleidswesen. Beim kläglichen Winseln des Verendenden vergeht sie fast, derweil ihr gegenüber den gefangenen Emigranten im Laster jede "Prise Mitleid" zu viel ist – Empathie in der Schieflage. Versagt wird diesen Flüchtlingen jenes Mitgefühl, das man den durch den Eisernen Vorhang von Ost nach West Flüchtenden einst reichlich entgegenbrachte. Bessere Überlebenschancen für die, die sich den Stemann'schen Wolfspelz überziehen?

Anne Peter, 16:35 Uhr

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Doppelgänger
Samstag, 29. Mai 2010

Nachdem ich Festivalleiter Udo Balzer gestern einen Tag lang mit der Kamera begleitet hatte (Ergebnis demnächst als Ruhrpod), sagte er am Abend zu Gerhard Jörder: "Jetzt kann ich mir ein bisschen vorstellen, wie es den Leuten geht, die jeden Tag so eine Meute am Hals haben...".

Tja, dachte ich, da hab' ich mir wohl die richtige Seite ausgesucht, die Seite der Meute. Hier kann mir jedenfalls niemand lästig werden. Doch falsch: Bereits drei Stunden später musste ich selbst Fans, die nicht locker ließen, Autogramme geben. – Aber der Reihe nach.

Als Konkurrenzveranstaltung zum Publikumsgespräch zu Dea Lohers "Diebe" sang im Schloss gegenüber Max Mutzke mit Klaus Doldingers Band Passport – mal sehen, wie die so performen, reine Recherche. Mutzke hatte einen kurzen Gastauftritt für fünf Lieder.

Schon früher, als ich (und Mutzke) noch längere Haare hatten, sagte man mir eine Ähnlichkeit mit ihm nach. Ich wusste, dass es lediglich an den Geheimratsecken lag.

Nach dem Konzert konnte ich leider den Hof nicht überqueren. Drei, vier Frauen mittleren Alters stellten sich mir (mit ihren Männern) in den Weg und wollten ein Autogramm auf der Eintrittskarte.

"Ääh, haha, tja, ich wurde früher schon öfters verwechselt, sorry..."

Ungläubige Blicke.

Eine Frau zur andere: "Ich hab's dir doch gesagt, von wegen ich bin blind." Beide ab.

Die Verbliebenen: "Tsss, jetzt gehen die einfach, die glauben dir auch noch! Aber jetzt sag mal, war das wirklich 2004 beim Grand Prix?" – "Wir waren die ganze Zeit vorm Fernseher!" – "Ist Rauchen nicht schlecht für die Stimme?" – "Wie lang musstest du die Stimme denn trainieren?" – "Harte Arbeit, oder?"

Ich blicke in diese Augen, so froh (und wahrscheinlich glücklich ob der Bodenständigkeit Max Mutzkes), und auf einmal ist es zu spät. Ich kann nicht mehr zurück. Inzwischen würde es unangenehm werden, alles noch gewaltsam aufzuklären. Außerdem bringe ich es nicht übers Herz.

"Nee, rauchen macht die Stimme schön kratzig, ist gut." – "Ja, 2004, ist schon ein Weilchen her." – "Naja, man tut was man kann, ne?"

Auf die Karten wird eine Schlangenlinie gekritzelt, und ich muss schnell weg. Um die nächste Ecke, Mütze abnehmen, Jacke ausziehen. Vorsichtig inkognito auf die After-Show-Party zurückschleichen. Puh.

Später, geläutert und im sicheren Heim, muss ich sofort die Ähnlichkeit überprüfen. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können: hier ein Foto vom Original und der Link zu seinem Doppelgänger.

Original:

mutzke1 und Doppelgänger

Matthias Weigel, 19:12 Uhr

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Memento Mori
Samstag, 29. Mai 2010

ausverkauf

Heute schließt der Kaufhof in Mülheim. In den letzten Tagen ein Countdown der Ausverkaufsschilder. Um die U-Bahnstation Stadtmitte wird es leerer.

Anne Peter, 17:31 Uhr

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Hort der Wildnis
Donnerstag, 27. Mai 2010

Drei Tage Gastpielpause in Mülheim. Zeit für die Themen, die immer gehen: Babys etwa. Oder Tiere. Am besten beides. Tierbabys. Wie wäre es zum Beispiel mit einer drei Monate alten, 30 cm langen und fingerdicken Monokelkobra aus dem südostasiatischen Raum? Dürfte sich in diesem Stadium noch ganz niedlich ausnehmen, auch wenn sie bereits hochgiftig ist. Baldige Lähmungserscheinungen sind bei einem Biss garantiert, Todesfolge nicht unwahrscheinlich.

Gegen nichts Geringeres als ein solch gefährliches Jungtier hatten die "Stücke" aufmerksamkeitstechnisch anzukämpfen, als Mitte März die Auswahl bekannt gegeben wurde. Am 18. März um 1 Uhr früh begannen Feuerwehr, Ordnungsamt und Reptilienexperten in der Mülheimer Dachgeschosswohnung eines Mietshauses ihre Jagd auf das aus seinem Terrarium ausgebrochene Kobrababy. Seitdem hatten es die Ameisen und Grillen, die Wölfe, Lämmer und Rehe aus den Stücken, die im Mai bei den Mülheimer Theatertagen aufkreuzen sollten, verständlicherweise etwas schwer, Gehör zu finden. Was ist schon unsere tierisch behauste Neudramatik gegen reale Giftschlangengefahr?

Das Tier erhöhte seinen Faszinationswert noch, indem es mehrere Wochen lang einfach spurlos verschwunden blieb. Obwohl die Einsatzkräfte alle erdenklichen Kobra-Fangtricks einsetzten. Die Wohnung des 19jährigen Kobra-Besitzers wurde komplett leergeräumt, Dielung, Dämmung und sogar die Gipskartonwände mussten dran glauben, sämtliche Mieter bei Verwandten und Freunden unterkommen – doch von der vermissten Babyschlange keine Spur. Nach fünf Tagen verlegte man sich aufs Abwarten, verstreute 10kg Mehl im Haus, legte Klebeband aus und konnte die Gefahrenquelle so schließlich durch die Festklebe-und-Aushunger-Strategie tatsächlich unschädlich machen.

kobra

"Mülheim versus Monokelkobra. Deutschland versus Dschungel. ... Zu den größten Standortvorteilen Deutschlands gehört die Abwesenheit von echter Wildnis", schrieb Jochen-Martin Gutsch dazu Ende März im Spiegel. Und verkannte dabei, dass sich gerade Mülheim in den letzten Jahren als heimlicher Hort der Wildnis erwiesen hat. So stand uns letztes Jahr im MüGa-Park Philipp Löhles Lama aus seinem Mülheim-Erstling Genannt Gospodin leibhaftig gegenüber. Außerdem kreuzte im Vorfeld schon eine ziemlich furchterregende Todesspinne unseren Weg zum Festival. Ganz zu schweigen von dem goldenen Drachen, der im Verbund mit seinem Erdichter Roland Schimmelpfennig gleich zur Eröffnung der "Stücke" sein Haupt erheben sollte. Da sage noch einer, Theaterkritiker lebten nicht gefährlich.

Anne Peter, 16:52 Uhr

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Wie ich nicht von meiner Currybude erzählen kann
Montag, 24. Mai 2010

"Mir bleibt nur die Cu-Cu-Currywurst – tief im Westen, wo die Sonne verstaubt", sang Nicolas Stemann während der Kontrakte des Kaufmanns. Es war ein furioses Lehmann-Brothers-Medley, das er mit der Zugabe von Grönemeyer offensichtlich eigens für das Gastspiel im Pott eingerichtet hat (am Kölner Schauspielhaus gab es 2009 jedenfalls nur Falcos "Jeanny" und "Verdammt lang her" von BAP in finanzkritischer Umtextung).

Aber Currywurst! Ja, auch wir wollen uns der lokalen Kultur anpassen und endlich umsetzen, was uns schon seit drei Jahren vorschwebt: Ein Besuch in der Wurstbude beim Schloss Broich, an der Einfahrt zum Ringlockschuppen. Mit diesem Curry-Imbiss verbinde ich ein nahe gehendes Erlebnis. 2007, als Rimini Protokoll mit "Das Kapital. Erster Band" im Ringlockschuppen gastierten, bestellte ich hier, was für mich seither als Non plus ultra einer Currywurst gilt:

–   Wie scharf willste se denn haben?
–   Eher scharf.
–   Ja, wie scharf?
–   Weiß nicht, wie scharf geht's denn?
–   Also wir haben Schärfen von 1 bis 12...
–   Na dann nehme ich mal 7 (praktisch: Knapp über Mittel kann ja nicht verkehrt sein!)

War aber verkehrt. Ich will jetzt nicht vom Gespött meiner Freunde erzählen, die sich an meiner Pein ergötzten, nicht von den Zweiflern ("Na komm, so schlimm kann es doch nicht sein..."), nicht von den Mitfühlenden ("Jetzt lass se doch stehen!"). Mir ging's – ja wie? Ich sag's mit Nis-Momme Stockmann: Ich "weine eine Träne, für die ich mich kurz darauf schäme". So war das damals.

Seit es das Nachtkritik-Festivalportal zu den Mülheimer Theatertagen gibt, haben wir uns vorgenommen, wieder dorthin zurückzukehren, an den Ort des Grausens. "Über 3 mach ich's auf keinen Fall mehr", war meine Ansage. Aber tatsächlich sind wir in den vergangenen Jahren überhaupt nicht dazu gekommen, die Frittenbude wenigstens ein Mal anzusteuern.

fritten

"The Times They Are-A Changin'": Der Imbiss heißt jetzt "Micha's Frittenschmiede". Die ehemalige Besitzerin hat aufgegeben, ein muskulöser Endzwanziger (Micha?) steht am Verkauf. Es hat sich einiges, wie sagt man, objektiviert:

–   Ja, die frühere Besitzerin hatte so eine komische Skala. Aber da stimmte hinten und vorne nichts. Zwischen 6 und 7 gab's da einen riesigen Sprung in den Scoville.
–   Entschuldigung wie heißt das, diese Einheit?

Scoville bezeichnet den Grad der Schärfe, lernen wir, und auch dass Micha's Frittenschmiede mit Soßen bis zu 3.000.000 Scoville (sic!) aufwartet. Das liegt im Bereich von Polizei-Pfefferspray. Drei Leute in Mülheim geben sich quartalsmäßig diese ultimative Currywurst-Erfahrung. Wir nicht, nein, wir sind gewarnt. Irgendwo bei 3000 Scoville (sic!) verortet man uns. Ziemlich mild, vielleicht gar einen Ticken zu mild für unsern Geschmack. Ganz sicher aber wesentlich zu mild für eine gute Geschichte. Für eine gute Geschichte vom schmerzhaften Geschmack. Dafür fehlen einige zehntausend Scoville.

Christian Rakow, 15:22

   

On the Beach
Sonntag, 23. Mai 2010

Es muss jetzt einfach mal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Es ist Hochsommer in Mülheim.

Tatsächlich läuft gerade dieses Lied auf meinem tragbaren Musikspieler, als sich mir vor der Stadthalle folgendes Bild bietet:

badebrunnen

Ich vergieße eine Träne für die Kollegen, denn ich weiß, dass sie die Vorhänge zugezogen haben, um das Computerdisplay besser lesen zu können.

Matthias Weigel, 17:12 Uhr

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Fundstück mit Bauch
Samstag, 22. Mai 2010

Irgendjemand da draußen hat etwas von Feiertag gesagt. Also wird schnell eingekauft, denn auf Imbiss, Büdchen oder Tankstelle kann man sich in Mülheim nicht verlassen. Manche sollen hier auf der nächtlichen Suche nach Essbarem schon fast verhungert sein. Allerdings ist das nicht nachprüfbar, da weit und breit keine Zeugen auf der Straße sind.

"Supermarkt Mülheim an der Ruhr" liefert gute Suchergebnisse in der Nähe, rein ins Auto, Euro in den Wagen. Doch halt.

Warum nicht mal versuchen, wie ein vorbildlicher Kritiker einzukaufen? Mein Vorgänger hat seinen Einkaufszettel am Wagen kleben lassen. Wie oft fällt einem schon so eine Möglichkeit in den Schoß, seine eingefahrenen Einkaufsgewohnheiten radikal in Frage zu stellen, sich an fremden Systemen abzuarbeiten. Ich nehme das Angebot an.

real

"Obst"

steht ganz oben auf dem vergessenen Zettel. Das ist hinnehmbar. Erdbeeren, Weintrauben, passt bis jetzt gut in mein herkömmliches Warenverständnis.

"Gemüse"

scheint durchgestrichen zu sein. Stimmt eigentlich, ich bin bis jetzt doch nur dem gesellschaftlichen Gesundheitstrend hinterher gelaufen. Tschüss, Tomate.

"Bauch"

Hm. Solche Polysemie erfordert hermeneutische Anstrengung. Ich kaufe Erdnüsse.

"Flips"

Trifft sich gut, an dem Regal bin ich sowieso gerade.

"Haarspray, Spülung"

Puh. Bei drei Zentimeter langen Haaren? Ist das nicht... – Waah, Sinnfrage, weiche von mir! Der Kompromiss heißt Schauma for man.

"Bodylotion"

Jetzt lasse ich mich voll drauf ein, egal. Ich zieh' das jetzt durch, auch wenn als nächstes Katzenstreu kommt. Ich lasse mich treiben.

Aber die Spalte ist zu Ende. Nur rechts oben in der Ecke – da steht noch ein letzter Punkt – mit einer fetten Linie eingerahmt – in Großbuchstaben! Oha! Na los, ändere dein Wertesystem! Na gut! ICH TU'S!

einkaufszettel

PS: Bitte wundern Sie sich nicht, wenn diese Seite nach der Mittwochsziehung verwaisen sollte.

Matthias Weigel, 22:43 Uhr

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Junge Experten
Mittwoch, 19. Mai 2010

vollerkinder

Unsere Woche ist voll, voller Kinder vor allem. Und das ist das Schöne an der Mülheimer KinderStücke-Woche: Sie ist weniger Branchen-Meeting als Zielgruppen-Teststrecke. Gerade das junge Publikum vermisst man bei anderen Kinder- und Jugendtheater-Festivals ja bisweilen. Hier kommen die Schulklassen. Trotzdem ein bisschen schade, dass sich – außer der erstmals in Mülheim agierenden Preisjury – so wenig erwachsenes Fachpublikum einfindet. Schließlich gibt es, nicht nur auf der Textseite, einiges zu entdecken. Die jungen Experten haben die drei bisherigen Gastspiele – Alice, Undine, Am Horizont – übrigens allesamt wohlwollend bis begeistert aufgenommen.

Anne Peter, 17:58 Uhr

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Seeing Lawinky
Sonntag, 16. Mai 2010

Heute Abend nicht Tatort Mülheim, sondern "Münster Tatort" mit Axel Prahl und Jan-Josef Liefers im Ersten. Chips auf dem Tisch, Wicküler in der Hand. Gute zehn Minuten sind im "Tatort: Fluch der Mumie" vergangen, da taucht erstmals der Justizvollzugsbeamte Josef Bausch auf:

20:25 Uhr


"Hey, warte mal, das ist doch Lawinky." Starren auf die nächste Einstellung. "Ja, doch das ist Thomas Lawinky!"

Und richtig, den heimlichen Helden der Stadelmaier'schen Spiralblockaffäre und Edelkrawallero des Leipziger Centraltheaters hat es ins beschauliche Münster verschlagen, auf dass er die sonntagabendliche Mattscheibe mit etwas Verbrechercharisma erfülle.

20:30 Uhr


"Das Dumme an Auftritten von Theaterschauspielern im 'Tatort' ist ja, dass man immer schon weiß, dass sie die Täter sind."

"Also wenn das stimmt, und Lawinky der Täter ist, dann gibt das einen Blog."

"Na, muss nicht."

"Doch, das machen wir."

20:38 Uhr


"Aber dann brauchen ein Foto."

lawinky2

"Ganz schön eigentlich, aber unscharf."

"Wenn Lawinky am Schluss festgenommen wird, kriegen wir ihn bestimmt noch mal groß ins Bild." Kühne Prognose. Die Kamera bleibt von nun an permanent schussbereit in der Hand.

20:55 Uhr


lawinky3

Szene auf einer Bank in der JVA Münster. Lawinky unterstützt den Komissar mit Informationen über die Alkoholsucht des Opfers.

"Ich habe Lawinky schon mal ziemlich blau im 'Kirschgarten' von Hartmann gesehen."

"Gespielt oder echt?"

"Wirkte nicht gespielt."

21:19 Uhr


lawinky4

Szene im Gefängnistrakt der JVA Münster. Die Indizien verdichten sich. Lawinky wird mit Material über einen ermordeten und später mumifizierten Ex-Gefangenen konfrontiert.

21:31 Uhr


lawinky5

Szene in der Gerichtspathologie. Lawinky gibt sich einem anderen, lange Zeit tatverdächtigen, tatsächlich aber längst geläuterten Ex-Gefangenen und einer reizenden Obduktionsassistentin als tatsächlicher Mörder zu erkennen. Eine Geiselnahme schließt sich an, mitsamt einer rasanten Verfolgungsjagd in deutschen Markenautomobilen. Unsere Kamera kommt nicht hinterher. Und auch die kühne Foto-Prognose trifft nicht zu. Ein Schlussbild mit Close-up des reuigen oder uneinsichtigen oder bemitleidenswerten oder zynisch-lächelnden oder gebrochenen oder nietzscheanisch die Welt verhöhnenden Täters Lawinky gönnt uns dieser "Tatort" nicht. Trotzdem hoher Genussfaktor.

Christian Rakow, 23:15 Uhr

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Thai-Suppe, zahnfrei
Sonntag, 17. Mai 2010

drache singhabeer

Wir haben ihn gesehen, den goldenen Drachen. Erst baumelt er, mit Glassteinen besetzt, an einem Stand mit asiatischen Speisen und Buddhafiguren. Später strahlt er gülden von einem fast leeren Six-Pack Singha Beer.

thaistand1 thaistand2

Unvermutet hat uns die Spazierlaune nach dem ortstypischen Currywurstsnack mitten in das Thailand Festival Mülheim gespült. Zu dumm, dass wir schon pappsatt sind – hier hätte es neben zahlreichen anderen Köstlichkeiten Thai-Suppe gegeben. Unter freiem Himmel, zahnfrei.

thaiblumen picknickteller

Auf der Wiese am Schloss Broich ist die Stimmung ausgelassen, die Leute lagern auf Picknickdecken, den Spezialitäten-Einkauf in weißen Plastiktüten um sich. Vor einer kleinen Konzertbühne tanzt man beschwingt, die meisten können die von einer charmanten Dame in Silbertop herabgeschmetterten Songs mitsingen. Wir sind in den thailändischen Top Ten nicht ganz so firm. Ein paar andere Menschen, die vermutlich noch nie nach ihrer Staatsbürgerschaft gefragt wurden, sind mittenmang. Ein Hauch von globaler Empathie im Local Village?

combo thaihandwerk

Anne Peter, 19:53 Uhr

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Countdown
Samstag, 15. Mai 2010

blog_countdown

Auftakt zu den Mülheimer Theatertagen. Heiter bis locker bewölkt ist es hier, am westlichen Rand der Republik. Nur noch wenige Stunden, bis das diesjährige Rennen um den Dramatikerpreis eröffnet wird. Wir lassen uns die Luft an der Ruhr um die Nase wehen und hören die Uhr ticken, der Countdown setzt ein.

10 ...

Zehn Jahre nach der Jahrtausendwende rückt erstmals die volle Jahreszahl ins Logo der Mülheimer Theatertage: "Stücke 2010" schließt sich an den Gesamtauftritt des Ruhrgebiets im europäischen Kulturhauptstadtjahr "Ruhr 2010" an.

9 ...

In neun Minuten kann man mit der S-Bahn von Mülheim/Ruhr nach Essen fahren. Kurze Wege in der Riesenmetropole Ruhr.

8 ...

Acht Jahre ist es her, dass zum letzten Mal ein Ruhrgebietsclub die Deutsche Fußballmeisterschaft gewann. 2002 war es nicht der TSV Heimaterde 1925 e. V. und auch nicht der 1. FC Mülheim-Styrum 1923 e. V., sondern Borussia Dortmund.

7 ...

Sieben Stücke sind dieses Jahr für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. Und weil es den Regularien nach maximal acht Stücke sein dürften, haben wir die nachtkritik-AutorInnen gefragt, ob in der diesjährigen Dramensaison noch mehr Beachtliches zu entdecken war.

6 ...

Sechs der sieben eingeladenen DramatikerInnen waren schon mindestens ein Mal für den Wettbewerb um den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. Nis-Momme Stockmann ist der Newcomer.

5 ...

Fünf Cent war der Liter Benzin am gestrigen Anreisetag in Oberhausen und Mülheim teurer als in Berlin.

4 ...

Nur noch vier Steinkohle-Zechen wird es im Nordrhein-Westfalen geben, wenn das Bergwerk Ost in Hamm am 30. September 2010 schließt.

3 ...

Zum dritten Mal begleitet nachtkritik.de die Mülheimer Theatertage mit einem eigenen Onlineportal: nachtkritik-stuecke2010.de.

2 ...

Und wieder sind zwei Redakteure vor Ort: Anne Peter und Christian Rakow.

1 ...

Es kann nur einen geben, oder jeweils einen: nämlich EINE/N Gewinner/in des Mülheimer Dramatikerpreises und EINE/N Gewinner/in des dieses Jahr zum ERSTEN Mal ausgerichteten KinderStücke-Wettbewerbs, für den im Übrigen nur EIN Mann nominiert ist. Ulrich Hub hält die Männerfahne hoch.

0 ...

Null Staatstheater besitzt das Land Nordrhein-Westfalen, und das soll auch so bleiben, wie Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff unlängst verkündete.

Christian Rakow / Anne Peter, 16:50 Uhr